[Rezension] Hooper, Mary - Geheimnisvolles Vermächtnis

| 10 Kommentare
Autor: Mary Hooper
Originaltitel: Fallen Grace
Reihe: /
Genre: Liebe/Romantik, Krimi
Preis: 16,90€
Seiten: 367
Verlag: Bloomsbury

Vielen Dank an den Bloomsbury Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

Beschreibung:
London, Mitte des 19. Jahrhunderts. Die fünfzehnjährige Grace lebt mit ihrer Schwester Lily in einem Waisenhaus in einem der ärmsten Viertel von London. Jeder Tag ist für sie ein Kampf ums Überleben. Grace ahnt nicht, dass sie und ihre Schwester per Zeitungsannonce als Erbinnen eines riesigen Vermögens gesucht werden. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Mr Unwin, der skrupellose Bestattungsunternehmer, bei dem Grace arbeitet, die Annonce entdeckt. Und er ist bereit, alles zu tun, um an das Vermögen zu kommen. Kann James, der junge Anwaltsgehilfe, Grace helfen und das Komplott rechtzeitig aufdecken?


Rezension:
"Geheimnisvolles Vermächtnis" von Mary Hooper spielt im 19. Jahrhundert in England, London. Die fünfzehnjährige Grace ist ein gefallenes Mädchen. Sie hat erst spät gemerkt, dass sie schwanger ist und ist die ganze Nacht unterwegs, um ein Krankenhaus zu finden, das auch uneheliche Kinder zur Welt bringt. Sie findet eins aber leider überlebt das Kind die Geburt anscheinend nicht - Es wird tot geboren und Grace macht sich sofort auf, um es zu beerdigen.

Grace und Lily haben es seit dem Tod ihrer Mutter schwer gehabt, einen Vater hatten sie auch nicht, da er sich schon früh aufgemacht hatte um irgendwo das große Geld zu machen. Sie kämpfen sich mit dem Verkauf von Brunnenkresse durch den Alltag und können manchmal nur noch knapp davon überleben.
Eines Tages passiert etwas Schreckliches - Da die Adligen die Armenhäuser als Krankheitsammler und sich deswegen gefährdet sehen, reißen sie viele davon ab - Auch Lilys und Grace Zuhause. Auch wenn die beiden es nicht fassen können, in das Arbeitshaus oder wieder in das schreckliche Waisenhaus zu kommen, das wollen sie auf garkeinen Fall.

Da Grace einen jungen Anwalt namens James auf einer Beerdigung kennengelernt hat und sie denkt, dass er ihr helfen kann, machen sie sich nach dorf auf, werden aber barsch mit den Wörtern "Euresgleichen haben hier nichts zu suchen" abgewiesen. Später stellt sich heraus, dass Grace doch für die hiesigen Unwins - eine Familie, die ein Beerdigungsunternehmen führt und besonders Sylvester Unwin, der das dazugehörige Bekleidungshaus führt, ist dafür bekannt, dass er besonders aalglatt ist - arbeiten muss, jedoch nicht ohne ihre Schwester Lily. Sie wird als Sargbegleiterin eingestellt und Lily als Kammerzofe.
Die Unwins trennen die Beiden nicht ohne Grund: Lily scheint einfältig und Grace ist eindeutig die klügere der beiden. George und Sylvester Unwin haben eine Anzeige gefunden, die davon spricht, dass eine gewisse Lily Parks (Tochter von Letitia Parks) gesucht wird und diese ein stattliches Erbe erwartet. Die Unwins hoffen, die dumme Lily so manipulieren zu können, bis sie das Erbe kassieren können... Und dabei ist ihnen fast alles Recht, bis Lily aber - anscheinend - mit einem Stallburschen abhaut. Grace kommt das alles ein bisschen Spanisch vor. Lily hat sich nie für Männer interessiert und dann soll sie aufeinmal mit einem Stallburschen abgehauen sein? Niemals!


"Geheimnisvolles Vermächtnis" von Mary Hooper ist in der Erzähler-Perspektive verfasst und erzählt von den beiden Geschwistern Lily und Grace. Der Schreibstil ist sehr leicht und nicht besonders ausschmückend, aber trotzdem hat er mir sehr gefallen. Der Leser kann den Schreibstil gut lesen und zieht sich nie in die Länge.

Aber leider hat mir bei dem Buch auch ein wenig die Beschreibungen gefehlt. Der Leser bekommt alles zwar kurz und knapp beschrieben, aber nie wirklich so, dass man sich es richtig gut vorstellen kann. Zwar ist dieses kurz und knapp für mich meistens ein Pluspunkt, aber leider hat mir dies das Vorstellen der Umgebung und so weiter sehr schwer gemacht. Was für mich auch sehr schade ist - das London im 19. Jahrhundert hört sich toll an und ich hätte mich sehr über längere Beschreibungen gefreut.
Auch die anfängliche Traurigkeit von Grace über den Tod ihres Babys hat der Leser kaum mitbekommen, Mary Hooper spricht immer nur davon, dass - zum Beispiel - die Traurigkeit bei dem Erblicken anderer Babys kurz aufkeimt und dann war es das schon. Was dem Leser natürlich dann auch noch schwer macht, sich in die verschiedenen Personen zu versetzen und sich in der Situation wiederzufinden.

Das einzige was mir an dem Schreibstil wirklich gut beschrieben war, war die Beziehung zwischen Lily und Grace. Frau Hooper hat es geschafft die Abhängigkeit von Lily auf Grace perfekt auszudrücken. Auch wenn ich diese ziemlich fraglich finde - aber dazu schreibe ich gleich mehr.

Der Roman fing mit der Geburt von Grace Baby an und Frau Hooper schenkt dem Beerdigen ihres Babys wirklich viele Seiten, was für mich nicht verständlich war. Danach wurden auch noch viele Seiten damit verschwendet, die Notlage von Lily und Grace groß breit zutreten. Der Leser versteht sehr gut, dass die Beiden in Gefahr sind, da sich die Brunnenkresse sich nicht immer gut verkauft und die beiden folgedessen auch manchmal ohne Essen dastehen, geschweigedenn die Miete bezahlen können. Und da Mary Hooper diesen Passagen sehr viel Zeit schenkt, kommt die eigentliche Handlung von dem Erbe sehr kurz.
Hätte sie jedoch dafür auch die Handlung um das Erbe von Lily mehr ausgebreitet, hätte ich noch einigermaßen darüber hinweg sehen können. Dennoch: Der Roman hat ca. 380 Seiten, die ersten 150 (ich bin mir nicht sicher, ob die Zahl genau ist, es wird aber sowas in dem Dreh sein) Seiten und die letzten 13 Seiten sind ein Glossar und ein kleines Lexikon zur Vergangenheit von London und England. Es bleiben also noch 217 Seiten für die "Jagd" um das Erbe und so passiert auch alles relativ schnell.
Das ist leider für mich auch kein Pluspunkt - Normal ist es ja schon, dass ein Krimi viele Handlungen nacheinander hat und deswegen auch alles ziemlich schnell passiert. Aber bei Frau Hooper scheint es einem eher so, dass sie keine Zeit mehr hatte und alles andere mal schnell abhandeln wollte. Wichtigen Passagen die die Spannung in dem Roman noch in die Höhe hätten bringen KÖNNEN, werden unangebracht kurz behandelt und Handlungen, die kaum etwas zum Verlauf des Romans beitragen, werden sinnlos in die Länge gezogen.

Dazu ist der Roman auch noch relativ vorhersehbar. Wer immer gut aufpasst und sich alles merkt, weiß, was es für ein Ende gibt und für mich war es immer offentsichtlich wer in diesem Kampf um das Erbe gewinnen wird.

Die Gedankengänge, die Frau Hooper manchmal beschreibt, sind einfach nur ziemlich unvorteilhaft geschrieben. Man hat, zum Beispiel am Anfang von dem Roman, als Lily alleine auf Grace wartet, immer dieses Gefühl, das Lily eigentlich weiß, dass sie wiederkommt. Frau Hooper beschreibt zwar, dass sie fast die Wände hochgeht und sich große Sorgen um ihre Zukunft hat, aber leider kommt das nie richtig rüber. Hier zum Beispiel der ungefähre Ablauf von dem Gespräch, in dem James und Grace herausfinden wollen, was mit Lily passiert ist:

James: Wow, du bist die Erbin von einem riesigen Vermögen! Dein Vater wusste nichts von dir und deswegen bist du jetzt auch eine Miterbin. Und ich glaube, dass die Unwins etwas mit Lily angestellt haben - die würden für das Geld alles tun!
Grace: Oh Gott... Glaubst du, dass Lily tot ist?
James: Nein, soweit würden die Unwins nicht gehen. Die haben auch einen Ruf zu verlieren. Ich glaube eher, dass sie Lily verschwinden haben lassen.
Grace: Wieso das denn?
James: Sie wollen an das Geld ran. Vielleicht lassen sie ja ihre andere Tochter, Charlotte, Lily spielen. Dann fälschen sie eine Adoptionsurkunde und zack, dann kriegen die das Erbe.
Grace: OHHH.... Du hast recht!

Ich meine, das hört sich doch total unrealistisch an? Bei einem vernünftigen Rätseln wünscht der Leser sich doch, dass die Charaktere sich richtig ins Zeug legen um die Wahrheit zu erfahren. Bei diesem Buch war es aber eher so, dass die Charaktere immer sofort und sehr leicht auf die Wahrheit kamen. Kein Nachforschen, nichts, ich meine, James kann es doch nicht so einfach wissen, dass die Unwins Lily entführt und Charlotte als Lily ausgegeben haben. Sehr schade, da die Handlung ansich eigentlich relativ spannend ist.

Die Charaktere sind nicht sehr individuell und machen nicht sehr viel Eindruck auf den Leser. Grace und James sind zwar mit Abstand die ausdrucksvollsten Charaktere, aber ich hätte mir auch bei ihnen mehr Tiefe gewünscht.
Leider ging mir, zum Beispiel, Lily die ganze Zeit nur auf die Nerven. Ich habe definitiv nichts gegen zurückgebliebene Leute, aber das Verhalten von Lily mag zwar beabsichtigt sein - sonst wäre sie ja auch nicht zu den Unwins gegangen und so überraschend verschwunden - aber leider hat es mich immer wieder gestört.


Mein Fazit:
Auch wenn "Geheimnisvolles Vermächtnis" viele Störfaktoren hat, konnte ich das Buch gut weglesen und war relativ gut unterhalten. Dennoch kann ich dem Buch leider nur 2 von 5 Herzchen geben, da ich es keinem empfehlen würde.

Das Cover:
Dieses Mal gefällt mir das deutsche Cover viel besser.
Der beige Hintergrund und die roten Haare harmonieren meiner Meinung nach viel besser miteinander als Rot+blau. Außerdem finde ich die Pattern an den Seiten von der englischen Ausgabe irgendwie unpassend. Dazu gefällt mir die deutsche Schrift auch um einiges besser.







Die Autorin:
Mary Hooper schreibt seitdem ihre Kinder klein waren. Seitdem hat sie zahlreiche Kurzgeschichten für Zeitschriften und mehr als dreißig Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Nebenher gibt sie außerdem noch Kurse in Kreativem Schreiben. Mary Hooper lebt in Hampshire, England. 

Kommentare:

  1. Ich habe schon länger überlegt, ob ich mal ein Buch von Mary Hooper lesen soll und hatte auch schon öfters "Geheimnisvolles Vermächtnis" in der Hand, allerdings habe ich irgendwie immer gezögert, weil ich ein wenig skeptisch war.
    Jetzt weiß ich auf jeden Fall, dass ich es mir nicht kaufen werde. Wenn dann versuche ich es lieber mit einem anderen Buch von ihr.
    Mir gefällt das deutsche Cover übrigens auch besser!

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  2. Hmm, also vom Inhalt her fand ich es schon sehr interessant - nach Deiner Rezension jetzt aber denke ich, ich lass es lieber :) Danke!

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  3. Schade, ich hatte das Buch eigentlich schon länger ins Auge gefasst, aber nach deiner Rezension überlege ich mir das wohl noch mal.
    Übrigens, bin ich die Einzige, die sich daran stört, dass das Cover ziemliche Ähnlichkeit mit den Covern von »Die Beschenkte« und »Die Flammende« von Kristin Cashore hat?

    Liebe Grüße,
    Nina

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  4. @Jennyfer: Vielleicht guckst du dir ja mal andere Bücher von ihr an, ich habe auch noch ein paar von ihr ins Auge gefasst :) Nur bin ich bei ihr eher skeptisch, nach diesem eher schlechten Buch.

    @Fabella: Bitte :)

    @Nina: Ich fands auch leider sehr schade, da der Inhalt ja eigentlich recht interessant ist.
    Oh, das ist mir noch garnicht aufgefallen. Jap, die sehen sich wirklich relativ ähnlich (wobei mir die Cashores noch mehr gefallen). Das Abbilden von Mädchenzöpfchen wird wohl zu einem neuen Covertrend :/

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  5. Da bin ich wirklich mal gespannt, wie mein Leseerlebnis so wird. xD Das Buch klang an sich ja wirklich gut! Ich hab hier auch noch "Die Schwester der Zuckermacherin" und "Ascheblüten" rumsubben und die sollten ja eigentlich schön sein. :0 Mal sehen!

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  6. Hah, ich hab auch sofort an "Die Flammende" beim Cover gedacht XD

    Schade, dass der interessante Ausgangsplot anscheinend so versenkt wurde. Aber ein Buch weniger, was ich mal lesen solte.

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  7. Guuut, dass ich das nicht gekauft habe xD Ich hab schon mal was von der Autorin gelesen - Die Schwester der Zuckerbäckerin oder so? - das war aber nur was für Kinder. Und das sage ich als jemand, der Jugenbücher liebt. Das Buch war wirklich einfach nur kindisch und für erwachsene Leser uninteressant.

    Danke für die Rezi :)

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  8. @Shiku: Ich hoffe mal nicht, dass du es so schlecht wie ich findest, aber naja, wir werden es ja sehen. Ich glaube zwar eher, dass ich nichts mehr von Frau Hooper lesen werde... aber trotzdem: "Ascheblüten" hört sich für mich sehr gut an :)

    @Elena: Genau, positiv sehen :)

    @Stefanie: Hihi :) Ich hätte "Geheimnisvolles Vermächtnis" auch eher als Kinderbuch bezeichnet, vorallem weil alles eben so... ach, keine Ahnung. Ich kann das nicht so gut beschreiben. Alles war relativ kurzlebig und so weiter :)

    Bitte! :)

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  9. Oh Gott ja, das deutsche Cover ist farblich so viel besser als das englische o.o Das ist ja mal eine Seltenheit.

    Ich hab das Buch schon oft in meiner Buchhandlung des Vertrauens stehen sehen, aber nach deiner Rezension werde ich mich wohl nicht daran wagen. Ich hasse voraussehbare Romane.

    Ich bedanke mich für die Warnung xD

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  10. "Kurzlebig" trifft es glaub ich ganz gut. Zumindest könnte man "Die Schwester der Zuckermacherin" so beschreiben. Da steht im Klappentext irgendwas von Liebesgeschichte aber die zwei halten im Buch nicht mal Händchen! Und von der Pest selber hat man leider auch nicht besonders viel mitbekommen, ist eben alles sehr kindergerecht gehalten worden.
    Naja, inzwischen weiß ichs und halte mich wohl von der Autorin fern ^^ Zumindest mein Cousinchen hat sich dann über das Buch gefreut ;)

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